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Afrika > D.R. Kongo > 2. Reise 2011
Bericht über meine zweite Reise nach Goma Juni 2011
Goma liegt in der Region Nordkivu, im Osten der Demokratischen Republik Kongo am Fuße des Vulkans Nyiragongo, der nach 1977 im Jahr 2002 zum zweiten Mal ausgebrochen war. Ein Drittel der Stadt wurde unter riesigen Lavamassen begraben. Auch heute noch sind die Straßen, die Wiesen und Hänge der Hügellandschaft mit großen Lavasteinen und feinem schwarzen Staub bedeckt.
Bevor ihr meinen Bericht lest, solltet ihr bedenken, dass vieles was uns fremd und unvorstellbar vorkommt, für die Menschen in Afrika selbstverständlich ist.
Eine gute Wasser- und regelmäßige Stromversorgung sind notwendig zum Leben und Überleben. Auch ist eine gute Infrastruktur die Voraussetzung für einen guten Handel. Immer mehr Gebiete in Afrika werden erschlossen und der Entwicklung steht nichts mehr im Weg, vorausgesetzt die Regierungsform im Land ist demokratisch und nicht korrupt.
Es gibt jedoch Lebensbedingungen, die für uns unvorstellbar sind, woran jedoch die Menschen auf anderen Kontinenten gewöhnt und die für sie sogar lebensnotwendig sind, z.B. das Leben von vielen Menschen zusammen mit den Tieren auf sehr engem Raum. Auch schlafen oft bis zu 4 Kinder auf einer Matratze. Sie brauchen das, weil sie die gegenseitige Nähe und Wärme brauchen.
Wie bei meiner ersten Reise nahm ich am Flughafen von Kigali ein Taxi bis zum Busbahnhof, um von dort mit der Busgesellschaft "Virunga Express" nach Gisenyi an der Grenze zum Kongo zu reisen. Der Bus um 15 Uhr war leider schon ausgebucht. Für die nächste Reise wird über das Internet eine Platzvorreservierung gemacht!
Punkt 16:00 Uhr verstaute ein 15-jähriger Junge meinen großen Rucksack und den Koffer in dem kleinen Bus. Zum Glück hatte ich einen weichen Koffer dabei, den er unter eine Bank schieben konnte. Den Rucksack nahm ich auf meinen Schoß, sodass ich nicht wie bei meiner ersten Reise für einen Sitzplatz zusätzlich bezahlen musste.
Nach dreistündiger Fahrt erreichten wir Gisenyi. Diesmal hielt der Bus nicht wie üblich am Grenzposten. Es war bereits dunkel und ich war überrascht, als der Fahrer uns auf einem kleinen Platz aussteigen ließ. Als ich schließlich mit großer Mühe meinen Koffer unter der Bank hervorgezogen hatte, waren fast alle meine Mitreisenden schon verschwunden. Ich schaute mich etwas verunsichert in der Dunkelheit um und entdeckte eine Frau, die mich wohl beobachtet hatte. Sie lächelte und nahm meinen Koffer. Ich folgte ihr und sie erzählte mir, dass der Busfahrer manchmal zwischen den Grenzposten anhält. Sie rief ein Taxi und so erreichte ich nach diesem kleinen Abenteuer den Grenzübergang bei Goma.
Dort wurde ich von Germain, dem Leiter unseres Zentrums "Jua Kwa Watoto" und Madame Laurence, der Sekretärin des Buchprüferbüros AGESFO, empfangen. Endlich war es so weit:
Um 20:30 Uhr standen wir vor dem großen blauen Tor des Heimes und ich war ganz gespannt, was ich dahinter antreffen würde, ob das Heim tatsächlich groß genug für unsere 22 Kinder ist.
Eine ganze Reihe der Kinder begrüßte mich stürmisch, ein paar von den größeren Jungs erkannte ich sofort wieder, weil sie bei meinem ersten Besuch schon im Heim lebten. Im Salon empfingen mich Coletta, die Heim-Mama und Akili, der Hausmeister, Gärtner und Reinigungshelfer, herzlich. Von nun an werde ich immer von Mama Coletta und Papa Akili sprechen, weil "Mama" und "Papa" als Respekt- bezeichnungen im Kongo üblich sind.
Mama Coletta hatte für die Kinder und mich eine leckere Mahlzeit gekocht: Es gab Fufu, das sind Klöße aus Maismehl, mit einer Soße aus Zwiebeln und Tomaten und Rindfleischstückchen.
Nach dem Essen erzählten wir uns gegenseitig Geschichten, sangen ein paar Lieder und schließlich gingen wir alle zufrieden und müde ins Bett. Für die Kinder war es spät, weil sie am nächsten Tag in der Schule Jahresabschlussprüfungen schreiben mussten.
Am nächsten Morgen wurde ich von gedämpften Stimmen geweckt. Die Kinder machten sich um 6 Uhr für die Schule fertig. In meinem Bett unter dem Moskitonetz lauschte ich den harmonischen Gesprächen in der fremden Sprache. Es war alles friedlich und ohne Hektik. Um keine Unruhe zu verursachen, blieb ich im Bett, bis es im Haus wieder still wurde.
In der Küche in der Holz- hütte neben dem großen Haus traf ich Omari und Prince an, die aus einem dickflüssigen Teig ein Pfann- kuchen ähnliches Gebäck zubereiteten. Die beiden Jungs mussten nicht in die Schule, weil sie ihre Abschluss- prüfungen bereits beendet hatten; ein Glück für Mama Coletta, die trotz der Unterstützung durch Papa Akili zusätzliche Hilfe gut gebrauchen kann.
Am Nachmittag machte Papa Germain mit mir einen Rundgang durch das Haus. In dem großen Salon wird an einem langen Holztisch und einem Campingtisch gegessen. Damit alle Kinder mit Mama Coletta und Papa Akili am Tisch essen können, müsste aber der Campingtisch gegen einen zweiten langen Holztisch ausgetauscht werden. Momentan essen Mama Coletta, Papa Akili und einige Kindern auf dem Boden. Im Haus gibt es eine Küche nach euro- päischem Standard, gekocht wird aber meistens in der traditionellen Küche, die sich in einem Schuppen neben dem Haus befindet. Das Geschirr wird im Hof gespült und selbstverständlich packen alle Kinder beim Kochen, Putzen und Spülen mit an.
Die Kinder schlafen in Etagenbetten in drei unterschiedlich großen Zimmern zu zweit in einem Bett. Mama Coletta schläft im Mädchenzimmer in einem großen Bett. Wenn ein jüngeres Kind krank ist, nimmt sie es zu sich. Wegen der vielen Mücken ist die Gefahr an Malaria zu erkranken sehr groß. Deshalb müssten für alle Betten so schnell wie möglich Moskitonetze gekauft werden. Auch könnte man überlegen, zusätzlich Fliegengitter in die Fenster einzubauen.
Neben dem Mädchenzimmer ist ein Badezimmer für die Mädchen mit Toilette und einer Badewanne, in der Wasser für die Tageszeiten gesammelt wird, in denen kein Wasser kommt. Die Wasser- und auch die Stromversorgung sind in Goma sehr unzuverlässig.
Die Jungen duschen in einem kleinen Waschraum außerhalb des Hauses, wie oft in Afrika in ländlichen Gegenden üblich. Gegen Abend werden die Kleineren draußen in einer Wanne von Mama Coletta gebadet.
Weiter gibt es im Haus ein Studierzimmer, in dem Papa Germain mit den Kindern den Unterrichtstoff wiederholt oder die Hausaufgaben für den nächsten Tag bespricht.





Papa Germain geht mindestens 1 x pro Woche in die Schule und erkundigt sich bei den Lehrern und dem Direktor nach den Leistungen und dem Verhalten jedes Kindes. Die Lehrer besprechen mit ihm die Aufgaben der Kinder, sodass Papa Germain zu Hause nach Bedarf mit ihnen arbeiten kann. Das Ergebnis lässt sich sehen: Nach meiner Rückkehr in Deutschland habe ich erfahren, das bis auf zwei Kinder alle mit überdurchschnittlichen Prüfungsergebnissen abgeschnitten haben!
Im Haus gibt es noch einen größeren Raum mit anschließendem Badezimmer mit Wanne und WC, der zurzeit als Gäste- und Empfangszimmer und gleichzeitig als Büro für Papa Germain und Joyce, die Sekretärin, genutzt wird. Außerdem gibt es eine Vorratskammer und noch ein weiteres kleines Zimmer. Kurzum, unser Zentrum bietet ausreichend Platz für die 22 und bis zu 4 oder auch mehr zusätzlichen Kindern.
Das Haus hat eine große überdachte Terrasse und eine zweite kleinere hinter dem Haus. Ein schöner Garten, teilweise mit feinem Kies, teilweise mit Rasen, Pflanzen und Bäumen rundum das Haus, bietet den Kindern genügend Platz zum Spielen
In den Gesprächen, die ich mit jedem einzelnen Kind führte, zeigte sich, dass sie ein großes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit haben. Sie sind sehr anhänglich.
Während meiner ersten Gesprächsrunde bat ich die Kinder, ein Bild zu malen. Aus ihren Zeichnungen war es mir möglich, einiges über die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder zu erfahren. Am meisten erfuhr ich, als ich am Ende meines Aufenthaltes die Kinder in Gruppen von 5 bis 6 bat, zu singen und zu musizieren, einzeln und in Gruppen. Sie hatten großen Spaß dabei und ich konnte mich an ihren Darbietungen nicht satt sehen und hören! Ich staunte, dass nicht ein Lied zweimal gesungen wurde!
Zusammengefasst: Tagsüber sind die Kinder fröhlich, spielen und toben friedlich miteinander. Selten beobachtete ich Reibereien zwischen ihnen.
Nachts bot sich ein etwas anderes Bild. Öfter hörte ich Kinder weinen, weil sie von schlechten Träumen heimgesucht wurden.
Ein Glück, dass Mama Coletta Tag und Nacht im Haus ist und die Kinder zu trösten kann, wobei die älteren Kinder sie unterstützen. Eine zusätzliche Hilfe für Mama Coletta während der Nacht ist sicherlich angebracht und sollte geprüft werden.
Vor der Schule bekommen die Kinder im Heim einen Becher Tee mit Zucker und ein kleines Frühstück. Viele Kinder in Afrika gehen ohne Frühstück in die Schule. Schön wäre es, wenn alle Kinder in der Schule einen Pausensnack bekommen könnten, um den Hunger zwischendurch zu stillen.
Zweimal am Tag bekommen die Kinder eine warme Mahlzeit. Meistens gibt es Fufu oder Reis mit Bohnen, ein wenig Fleisch oder getrockneten Fisch, gekocht in einer herrlichen Soße. Manchmal gibt es auch Kartoffeln oder Maniok.





Während meines Aufenthaltes hatten die Kinder keine Hausaufgaben, weil sie ihre Abschlussprüfungen schrieben. Sie hatten dadurch viel Zeit zum Spielen. Die von mir mitgebrachten Fuß- und Handbälle waren ein riesengroßer Erfolg. Mit den beiden Säckchen Murmeln beschäftigten sich die Kinder stundenlang. Oft spielten sie auch Karten oder puzzelten. Auch über die schönen Bilderbücher freuten sie sich sehr!
Jeden Abend vor Einbruch der Dunkelheit hielten wir eine Märchenstunde ab, in der entweder eines der älteren Kinder oder ich aus einem Buch vorlasen!
Auch malten und zeichneten die Kinder wunderschöne Bilder für ihre Paten und für alle Mitglieder von SunForChildren:





Hier einmal nur der weibliche Teil unseres Zentrums mit Mama Koletta und Madame Joyce, der Sekretärin des Heims:
Alle Heimkinder sind Mitglied kirchlicher Jugend- oder Kindergruppen. Eine ganze Reihe der Kinder gehören einer Gruppe der Kimbanguisten-Kirche, einer unabhängigen, christlichen Kirche in Afrika, an. (s. Wikipedia)
Für Aufführungen während der sonntäglichen Messen hatten die Kinder einen Marsch einstudiert. Fast jeden Tag trainierte Prince, der Sohn von Mama Coletta, mit den Kindern diesen Marsch und am Sonntag vor meiner Abreise konnte ich an einer Aufführung, die im Freien stattfand, teilhaben. Die Kinder defilierten hinter dem Fahnenträger unter Begleitung von Blasmusik barfuss über die spitzen Lavasteine. Die Kinder waren hochkonzentriert und ich war sehr gerührt.





Die Kirche befindet sich in dem Viertel Mugunga etwa 10 km vom Heim entfernt, sodass die Kinder einen langen Fußmarsch vor und nach dem Gottesdienst hatten. Für den Weg brauchten wir zwei Stunden. Der Spaziergang mit den 22 Kindern entlang der stark befahrenen Hauptstraße in Goma war ein echtes Erlebnis für mich. Als Belohnung für den anstrengenden Tag kaufte ich für uns alle ganz viele Bananen!
An diesem Abend war der siebenjährige Juslin krank. Die Kinder fragten mich, ob ich Medikamente gegen Bauchschmerzen dabei hatte. Juslin fühlte sich warm an und sein Bauch war geschwollen. Ich hatte das Gefühl, dass der Kleine unter der Anstrengung des Tages litt. Ich begleitete Prince zur Apotheke. Prince erklärte dem Apotheker in Swahili was Juslin fehlte und wir bekamen jeweils einen Streifen Tabletten gegen Blähungen und Fieber sowie Vitamine C.
Juslin nahm brav die Tabletten und schlief bald ein. Um 22 Uhr sah ich ihn wieder draußen - er hatte keine erhöhte Temperatur mehr und wollte auch wieder etwas essen.