Willeke und Thomas Kliesow


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Reisebericht Teil 2

Afrika > D.R. Kongo > 2. Reise 2011


Diaconie - CBCA und ihre Arbeit
In der ersten Woche machte ich mit Papa Germain einen Besuch bei der Diakonie der CBCA (Baptisten Kirche in Zentralafrika). Wir führten Gespräche mit Monsieur Safari, Leiter der Diakonie und eine Mitarbeiterin, Madame Mwenge. Madame Mwenge erklärte uns, dass die Diakonie Kinder und Jugendliche, die auf der Straße leben, anspricht und ihnen die Unterstützung der Kirche anbietet mit dem Ziel, dass sie den Weg zurück ins Elternhaus oder zu anderen Familienangehörigen finden. Die Diakonie versucht in langen, schwierigen Gesprächen die Eltern davon zu überzeugen, ihre vom richtigen Weg abgekommenen Sprösslinge wieder aufzunehmen. Sie hilft ebenfalls bei der Schul- und Ausbildungsplatzsuche und führt regelmäßig jede Woche Gespräche mit den Kindern und Jugendlichen, ihren Eltern, Lehrern und Leitern der Ausbildungsstätte. Die Diakonie hat sich das Ziel gesetzt, bis 2015 alle ihr bekannten Straßenkinder in Goma zu ihren Eltern oder Familienangehörigen zurückzuführen.






Bis heute bietet Sun For Children 22 Straßen- kindern ein Zuhause. Ich frage mich immer wieder, wie Mama Coletta es schafft, jedem Kind die Aufmerksamkeit zu schenken, die es braucht. Unsere Kinder haben das Glück, in unserem Zentrum ein behütetes Leben wie in einer großen Familie zu führen.






Außerdem ermöglicht Sun For Children ihnen den Schulbesuch, indem der Verein die monatlichen Schulgelder, das not- wendige Schulmaterial und die Schuluniformen bezahlt.










Alle Kinder besuchen zurzeit die Primar- schule des Schulzentrums "Kyeshero". Pro Schuljahr gibt es zwei Klassen mit etwa 50 bis 70 Schülern, wobei die Klassen der ersten Jahrgänge am größten sind. Während unseres Gespräches lobte Monsieur Wimana, der Direktor des Schulzentrums, den Fleiß und das Benehmen unserer Kinder in höchsten Tönen, ein Ergebnis der vorbildlichen Erziehung und Motivation durch Papa Germain. Mit Ausdauer und großem Einsatz fördert er nach der Schule die Intelligenz der Kinder so optimal, dass die meisten in ihren Klassen überdurchschnittliche Leistungen bringen.

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Zurzeit wird das Schulzentrum Kyeshero um einige Klassenräume erweitert. Gleichzeitig wird ein medizinisches Zentrum auf dem Grundstück gebaut.

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Der 15 jährige Omari, der Älteste unserer Kinder, wurde sogar als bester Schüler seines Jahrgangs in ganz Goma ausgezeichnet! Im September wird er in einer Sekundarschule der CBCA weiter gefördert werden. Omari möchte gern Arzt werden. Ein solches Studium könnte Omari sogar in Goma absolvieren, denn hier gibt es neben der Sekundarschule auch eine große Universität, die "Université Libre des Pays des Grands Lacs" (ULPGL) mit vielen Fakultäten, u.a. auch eine Fakultät für Gesundheitswissenschaften.


Während meiner Reisen in Afrika konnte ich mehrere Schulen besuchen. Viele Schulen sind einigermaßen gut ausgestattet mit Tischen und Schulbänken und der Unterricht findet in Klassenzimmern statt. In der Schule der Kimbanguisten-Kirche, die ich zufällig besuchen konnte, sitzen die Kinder zwar auf Bänken und es gibt ein Dach über den Klassenräumen, jedoch sind die Wände nur halb hoch und die Böden sind übersät mit großen Lavasteinen.

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Oft wird in Afrika auch im Freien unterrichtet und die Kinder sitzen auf großen Steinen. So gesehen haben es unsere Kinder im Schulzentrum Kyeshero gut getroffen.



Berufliche Bildung
Um ein erfolgreiches, würdiges Leben führen zu können, brauchen die Menschen eine Beschäftigung. Arbeit gibt es genug, jedoch meistens fehlen qualifizierte Arbeitskräfte. In Bukavu, einer Stadt am südwestlichen Ufer des Kivusees wurde vor etwa 25 Jahren ein Berufsbildungszentrum errichtet. CAPA (Centre d'Apprentissage Professionnel et Artisanal) bietet vielen jungen Menschen eine Perspektive, indem es ihnen ermöglicht, durch handwerkliche Ausbildungen Arbeit zu finden oder sich selbständig zu machen. Ausbildungen in den Bereichen Metall, Holz, Textil, Leder, Bau - es scheint kein Berufszweig zu geben, der nicht möglich ist: Ob eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker, Schreiner, Schlosser, Schweißer, Maurer, Ziegel- Seifen- oder auch Zuckerhersteller, Schuh- oder Taschenmacher, Schneider, Frisör, Gastronom, Hotelfachmann, Koch, eine Ausbildung in Informatik, Gitarrenbau und zum Kapitän oder Matrosen für die Binnenschifffahrt, und, und, und… , bei CAPA kann man alte, traditionelle Berufe genau so erlernen wie neue und moderne! Alle Berufszweige werden ebenfalls von vielen Frauen belegt.
Viele engagierte Frauen und Männer unterrichten Mädchen und Jungen, Gesunde und Behinderte. Das Alter spielt keine Rolle: wer gern im höheren Alter noch einen Beruf erlernen möchte, kann sich bei CAPA um eine Ausbildungsstelle bewerben.

Während meines Aufenthaltes besuchte ich das Ausbildungszentrum. Herr Vital Mukuza, der Direktor von CAPA, machte mit mir einen Rundgang durch die vielen Werkstätten und ich war beeindruckt, wie Ausbildung und Produktion verbunden sind: Alle hergestellten Produkte werden auf dem regionalen Markt zum Verkauf angeboten.

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Die Frauen haben viel Spaß bei der Arbeit:


Es gibt in dem Bereich Nord- und Südkivu weitere Ausbildungszentren, jedoch CAPA ist einzigartig durch seine Vielfalt an Ausbildungen unterschiedlicher Länge, die immer an die Bedürfnisse der Menschen angepasst sind: Kurse in unterschiedlichen Längen werden angeboten, z.B. eine einfache 6-monatigen Koch- oder Schneiderausbildung oder sogar ein 2-wöchiger Kurs in Batik, jedoch auch Ausbildungen über 2-3 Jahren, in der Theorie und Praxis eng zusammen vermittelt werden.

CAPA legt außerdem großen Wert darauf, die Auszubildende zu begleiten und ihnen beim beruflichen Einstieg zu helfen, sodass sie gut auf die Selbständigkeit vorbereitet sind. Dank dieser Begleitung und der marktorientierten, qualifizierten Ausbildung haben die CAPA-Absolventen eine Chance, ein gutes Einkommen und somit eine bessere Lebensperspektive zu erreichen.

Das ist es, was CAPA als Ausbildungszentrum auszeichnet!



Als ich sagte, dass ich mir für unsere Heimkinder ein CAPA-Zentrum in Goma wünschen würde, antwortete Herr Mukuza, dass es für Jugendliche mit einer langen Anreise ein Wohnheim in Bukavu gibt. Nur mit einem Boot kann man nach Bukavu reisen, entweder mit einem Schnellboot, das in 3 ½ Stunden Bukavu erreicht, oder mit einem langsamen, großen Passagierschiff, dass etwa 6 Stunden braucht.



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Meine Idee des Baus eines zweiten Ausbildungszentrums in Goma fand Herr Mukusa gut, da aus Goma viele Anfragen gestellt werden. Ein Baugrundstück gäbe es bereits und er versprach, Pfarrer Kakule Molo, dem Präsidenten der CBCA, vorzuschlagen, einen Antrag beim Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) in Bonn, der seit Jahren CAPA mit Beratung und Subventionen unterstützt, zu stellen.
Ich war überglücklich mit dem Ergebnis meines Besuches. Ein Ausbildungszentrum wie das CAPA in Goma würde die Chancen einer späteren, besseren Lebenssituation für unsere Kinder vergrößern.



SOS-Kinderdorf Bukavu

In Bukavu besuchte ich ebenfalls das SOS-Kinderdorf, idyllisch gelegen auf einem Hügel über der Stadt mit einem herrlichen Blick auf den Kivusee. Im Dorf sind etwa 150 Kinder untergebraucht in Häusern, in denen jeweils 10 Kinder mit einer Betreuerin wohnen. Auf dem Gelände befinden sich ebenfalls eine SOS-Grundschule und ein SOS-Kindergarten, die auch von den Kindern aus der Umgebung besucht werden können. Außerdem wurde hier ein medizinisches Zentrum gebaut, das ebenfalls von der umliegenden Bevölkerung genutzt wird.


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Aus dem Austausch mit dem leitenden Angestellten, Herrn Matara, konnte ich viele wichtige Informationen und Ideen für Sun For Children in Bezug auf Verbesserung der Unterbringung und der medizinischen und sozialpsychologischen Betreuung in unserem Zentrum mitnehmen. Ich bin Herrn Mukuza sehr dankbar, dass er mir diesen Besuch ermöglicht hat.



Krankenhaus Bethesda
Auch besuchte ich mit Papa Germain das Bethesda-Krankenhaus, ein medizinisches Zentrum, dessen Träger die Baptistenkirche in Goma ist.
SunForChildren hatte mich gebeten, mich beraten zu lassen, wie wir für unsere Kinder eine ständige, medizinische Versorgung garantieren könnten. Dr. Bose, der medizinische Direktor des Krankenhauses, nannte mir verschiedene Möglichkeiten, u.a. die Einrichtung eines "PrePaid"-Kontos, mit dem sichergestellt wäre, dass immer Geld für eine Erstbehandlung vorhanden ist und das bei Bedarf immer wieder aufgefüllt werden kann. Eine Krankenhausbehandlung ist nämlich ohne sofortige Bezahlung nicht möglich.



Dr. Bose machte mit mir einen Rundgang durch die Stationen der Gynäkologie, der Orthopädie, der inneren Medizin, der Augenheilkunde und durch die große Kinderstation. Besonders Fälle von schlimmen Verbrennungen mit Öl und schwierigen Frakturen sind im Bethesda an der Tagesordnung.
Stolz zeigte er mir die Solaranlage, die von der SolarWorld AG in Bonn gestiftet worden war.







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Kivusee

Nach dem Besuch im Bethesda spazierten wir zum Hotel Karibu, um dort unsere Emails über W-LAN zu prüfen. Wegen des häufigen Stromausfalls braucht man für eine Internetverbindung im Kongo viel Zeit und gute Nerven. Das Hotel Karibu (übersetzt "Hotel Willkommen") ist das schönste Hotel in der Region. Es liegt in einer grünen Parkanlage und hat einen eigenen Zugang zum Kivusee.




Wir spazierten anschließend weiter zum Ufer. Da es so gut wie keine Wasserleitungen gibt, kommen die Menschen mit großen gelben Plastikkanistern zum Kivusee, um Wasser zu holen oder ihre Wäsche zu waschen.
Auch die Kinder schleppen Wasser nach Hause, zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit einem Chukudu, einen Tretroller, der im Kongo auf den mit Lavasteinen übersäten Straßen voller Schlag- löcher ein wichtiges Transportmittel ist.




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Der Fahrer kniet dabei auf einem kleinen Kissen und stößt sich mit dem freien Bein ab. Bergauf und voll beladen (man sagte mir, dass man bis zu 600 Kilogramm darauf transportieren kann!) wird der Chukudu geschoben, bergab steht der Fahrer hinter seiner Last und bremst den Roller durch Andrücken eines Gummistückes, das am Hinterrad befestigt ist.

Der Chukudu ist aus Holz, für die Räder werden alte Reifen zerschnitten und als Kniekissen verwendet man die Sohle einer kaputten Flip-Flop-Sandale. Die Kugellager und Achsen der Räder stammen aus verschrotteten Autos: Der Chukudu wird vollständig aus wiederverwendbare Materialien und Holz aus eigenem Baumbestand zusammengebaut.

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Wir nutzten für unsere Besuche in Goma stets das Mototaxi, ein zwar nicht ungefährliches, aber sehr praktisches Transportmittel, da man auf den kaputten Straßen und bei dem dichten Verkehr überall schnell hinkommt. Außerdem sieht man bei einer Fahrt hinten auf dem Motorrad mehr von der Umgebung als im Auto.

Am letzten Abend feierten wir im Schein der Petroleumlampe eine kleine Party. Ich verteilte das restliche Gebäck, die Kinder sangen, tanzten und Omari, Issa, Moise und Kennedy begleiteten uns auf den Trommeln. Wir hatten viel Spaß, es war ein sehr schöner Abend und ein toller Abschluss meines Aufenthaltes im Heim.




Mit einem Gefühl der großen Zufriedenheit über die vielen positiven Eindrücke vom Zentrum, Mama Coletta, Papa Germain, Papa Akili und Madame Joyce, die eine hervorragende Arbeit als Sekretärin und Buchhalterin leistet, sowie unseren 22 Kindern, die ich fest ins Herz geschlossen habe, bin ich nach Deutschland zurückgekehrt.


Zum Abschluss einige Impressionen aus dem täglichen Leben in Goma

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Gemeinsam mit allen Mitgliedern und Paten und der Leitung im Zentrum JKW in Goma ist es SunForChildren bereits gelungen, 22 Kinder ein Zuhause, ein Stück Geborgenheit zu geben.
Es warten noch sehr viele Kinder auf diese Chance - Ein weiter Weg liegt vor uns!




Zusätzlich eine Empfehlung von mir:

Das Buch "Gitarren, Ziegelsteine und Matrosen", von Frau Maria G. Baier-D'Orazio und Herrn Vital Banywesize, in dem ihr die Geschichte des Ausbildungszentrums CAPA in der von Krisen, Krieg und Erdbeben heimgesuchten Region Nordkivu nachlesen könnt (ISBN 978-3-89502-283-8).

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